Wenn es nicht ohne Blutdruckmedikamente geht

Was Patienten über Blutdrucksenker wissen müssen

Professor Ulrich Wenzel, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL®, beantwortet die wichtigsten Fragen zur medikamentösen Blutdrucktherapie.

Wann ist eine medikamentöse Bluthochdrucktherapie erforderlich?

Ein hochnormaler Blutdruck besteht bereits bei Werten von über 130/80 mm Hg, aber hier wird zunächst versucht, den Blutdruck durch Lebensstiländerungen zu senken: durch gesunde, salzarme Ernährung, durch Sport und Bewegung, auch Entspannung. Übergewichtige Patienten ermuntern wir abzunehmen, denn jedes verlorene Pfund senkt auch den Blutdruck. Wenn die Blutdruckwerte über 140/90 mm Hg liegen und all diese Maßnahmen nicht greifen, muss der Blutdruck medikamentös gesenkt werden. Das ist laut europäischer Leitlinie die „rote Linie“, ab da kommt die Patientin/der Patient nicht um eine medikamentöse Therapie herum.

Warum eigentlich? Weshalb ist es so wichtig, dass der Blutdruck nicht über 140/90 mm Hg liegt?

Weil ansonsten ein hohes Risiko für Folgeschäden besteht. Dauerhaft erhöhte Blutdruckwerte schädigen Herz und Gefäße, gefürchtete Folgeerkrankungen sind Herzinfarkt und Schlaganfall. Darüber hinaus kann ein chronischer Blutdruck zu Nierenschäden und Schäden an der Netzhaut des Auges führen. Neue Studien haben sogar gezeigt, dass er auch die Entstehung einer Demenz begünstigt. Für ein langes Leben bei guter körperlicher und geistiger Gesundheit ist die Blutdruckeinstellung das A und O.

Können blutdrucksenkende Medikamente Bluthochdruck heilen?

Heilen nicht, aber dauerhaft auf einen guten Wert einstellen. Der blutdrucksenkende Effekt hält nur so lange an, wie die Tabletten regelmäßig eingenommen werden. Setzt man die Medikamente ab, steigt der Blutdruck wieder an. Das muss die Patientin/der Patient wissen. Man kann nicht sagen, „so, jetzt habe ich die Tabletten zwei Monate lang eingenommen, die Blutdruckwerte sind normal, also kann ich sie ja nun wieder weglassen“. Bluthochdruck lässt sich nicht heilen, sondern lediglich kontrollieren. Die Erkrankung ist chronisch und entsprechend muss die Therapie dauer- und gewissenhaft fortgesetzt werden.

Was müssen Patientinnen/Patienten beachten, denen der Arzt zum ersten Mal Blutdrucksenker verschreibt?

Zum einen müssen die Tabletten wie verschrieben eingenommen werden. Es ist ungünstig, wenn die Einnahmen öfter vergessen werden, am besten gewöhnt sich der Körper daran, wenn die Tabletten auch immer ungefähr zur gleichen Uhrzeit eingenommen werden. Patienten, die erstmals Blutdrucksenker verschrieben bekommen, müssen etwas Geduld mitbringen und ihrem Körper eine Umstellungsphase gönnen. Die Tabletten sollen den Blutdruck runterbringen, aber das kann zunächst auch dazu führen, dass man sich etwas „runtergefahren“ fühlt, also müde und abgeschlagen. Der Körper muss sich erst an die Medikamente gewöhnen. Nach ein paar Wochen verschwinden diese Begleiterscheinungen in der Regel und man fühlt sich trotz niedriger Blutdruckwerte topfit. Man sollte also nicht zu früh die Flinte ins Korn werfen, Hartnäckigkeit zahlt sich hier aus.

Aber wenn ich die Medikamente gar nicht vertrage?

Dann müssen Sie das Ihrem Arzt sagen. Natürlich kann es vorkommen, dass eine Patientin/ein Patient ein Blutdruckmedikament nicht verträgt oder es auch keinerlei Wirkung zeigt. Zum Glück gibt es zahlreiche blutdrucksenkende Wirkstoffe, die auch auf ganz unterschiedliche Weise in das blutdruckregulierende System eingreifen. Wir können aus einer ganzen Palette an Wirkstoffen wählen und für jeden Patienten die richtige Substanz bzw. Substanzkombination finden.

Wirkstoffkombination? Reicht nicht ein Medikament?

Das hängt vom Schweregrad des Bluthochdrucks ab. Einige Patienten sind mit Lebensstiländerungen und einem Medikament sehr gut in den Zielbereich zu bringen, andere brauchen zwei Wirkstoffe oder gar drei. Das bedeutet aber nicht, dass man auch drei Tabletten einnehmen muss. Es gibt sogenannte Kombipräparate, in denen zwei oder drei Wirkstoffe in einer Tablette kombiniert sind. Das ist für Patienten praktischer und hilft ihnen, am Ball zu bleiben. Denn es ist bekannt, dass die Therapietreue mit der Anzahl der Tabletten abnimmt – und die ist für Blutdruckpatienten wichtig.

Vielen Menschen fällt es tatsächlich schwer, regelmäßig ihre Tabletten einzunehmen. Was raten Sie ihnen?

Wichtig ist, die Tabletteneinnahme fest in der täglichen Routine zu verankern, sodass sie so selbstverständlich wird wie das Haarekämmen oder der morgendliche Kaffee. Anfangs hilft es, sich Erinnerungshilfen einzubauen. Legen Sie z. B. einen Tablettenblister in den Zahnputzbecher – wenn Sie morgens die Zähne putzen, werden Sie dadurch erinnert und können gleich die Tablette einnehmen. Wer die Tabletteneinnahme immerzu vergisst, sollte sich ehrlich fragen, warum das der Fall ist. Hat man vielleicht Nebenwirkungen und lehnt daher unbewusst die regelmäßige Einnahme ab? Dann wäre es wichtig, mit dem Arzt zu sprechen. Er kann, wie gesagt, andere blutdrucksenkende Medikamente verschreiben, es gibt fast immer Alternativen.

Wie kann ich sichergehen, dass die Medikamente wirken und der Blutdruck gut eingestellt ist?

Ganz einfach: indem Sie regelmäßig Ihren Blutdruck messen. Wir empfehlen Patienten, die Bluthochdruck haben, täglich den Blutdruck zu messen, und zwar immer zur gleichen Tageszeit, damit die Werte vergleichbar sind. Wenn Sie merken, dass der Blutdruck trotz regelmäßiger Einnahme der Medikamente zu hoch ist, müssen Sie mit Ihrem Arzt sprechen. Er wird dann die Dosis der Medikamente anheben oder Ihnen eine weitere Substanz bzw. ein Kombipräparat verschreiben.

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